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Gepostet by on Jan 24, 2020 in Lernen, Neu | Keine Kommentare

Konzentriert bei der Sache bleiben: Die Pomodoro-Technik für Kinder

Konzentriert bei der Sache bleiben: Die Pomodoro-Technik für Kinder

Unsere Autorin Annegret hat selber grosse Mühe, über längere Zeit konzentriert bei einer Sache zu bleiben und sich nicht zu verzetteln. Die Pomodoro-Technik hilft ihr dabei, ihre Aufgaben in überschaubare Zeitabschnitte zu unterteilen. Sie hat die Technik für ihren Sohn Kasimir an dessen Entwicklungsstand und aktuelle Bedürfnisse angepasst.

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Ich bin wohl selber ein wenig hyperaktiv. Wenn ich längere Zeit an etwas arbeiten muss, lasse mich extrem schnell ablenken: Schnell ein Mail lesen, oder eine Waschmaschine anwerfen, und dann war da doch noch dieser Anruf, der ist auch schneller erledigt als aufgeschrieben… An was war ich denn schon wieder? An manchen Tagen habe ich 200 Dinge angefangen aber am Abend nichts davon fertig gemacht.
Ein Freund, der Firmen in Sachen Ergonomie berät, hat mir die Pomodoro-Technik empfohlen. Sie soll helfen, dran zu bleiben und auch mal etwas fertig zu machen und trotzdem die nötigen Pausen zu machen.

Was ist die Pomodoro-Technik

Die Pomodoro-Technik hat nichts mit Tomaten zu tun. Sie wurde von Francesco Cirillo gegen Ende der 1980er Jahre erfunden und heisst Pomodoro, weil er dafür eine Eieruhr in Form einer Tomate benutzte. Cirillos Technik ist einfach: Man stellt die Eieruhr auf 25 Minuten, danach steht man auf und macht 5 Minuten Pause (richtig Pause, nicht Facebook oder Instagram!). Nach 4 solchen „Pomodori“ macht man eine längere Pause von 20-30 Minuten.

Weshalb ausgerechnet 25 Minuten? Die Zeit ist lange genug, um ein kleines Zwischenresultat zu erreichen, aber zu kurz, um dabei ins Bummeln zu kommen. Sogar ich schaffe es, 25 Minuten bei der Sache zu bleiben. Wenn währenddessen etwas nach meiner Aufmerksamkeit verlangt, kann ich es so lange aufschieben, ohne dass gleich die Welt untergeht. In den Pausen lüfte ich kurz durch und mache ein paar Turnübungen.

Wie lange kann ein Kind aufmerksam bleiben?

Die Frage kann man nicht allgemein beantworten, da alle Kinder verschieden sind. Je nach Alter und Entwicklungsstand gelten ungefähr folgende Richtwerte:

AlterAufmerksamkeitsspanne
5 – 6 Jahre15 – 20 Minuten
7 – 8 Jahre20 – 30 Minuten
9 – 10 Jahre25 – 35 Minuten
11 – 12 Jahre30 – 40 Minuten

Diese Zeiten gelten für Kinder, die im Schulbetrieb darauf hin trainiert haben. Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten und/oder Hyperaktivität schaffen es wesentlich weniger lang, sich auf etwas zu konzentrieren. Auch Kinder und Erwachsene, die sich das ruhig und konzentriert Zuhören nicht mehr gewohnt sind, erreichen keine 40 Minuten.

Ich frage mich, wieso in der Schweiz die Lektionen in der Schule 45 Minuten dauern, wenn kein Kind so lange aufpassen kann.

Vorbereitung zur Anwendung der Pomodoro-Methode

Beobachte dein Kind zum Beispiel wenn du ihm eine Geschichte vorliest: Wie lange kann es still sitzen und wie lange kann es aufmerksam zuhören? Anhand davon bestimme die Zeitdauer für einen „Pomodoro“.

Besorge dir einen Timer. Es gibt da verschiedene Möglichkeiten:

  • Für mich persönlich benutze ich eine mechanische Eieruhr (Werbelink) aus dem Haushaltsgeschäft. Ich mag das Ticken und es hilft mir, bei der Stange zu bleiben.
  • Unterwegs benutze ich für mich den Timer vom Handy, wobei mir da das Ticken schon fehlt. Ich höre die Zeit nicht vergehen und fange gleich wieder an zu bummeln.
  • Kasimir hat seinen Time Timer (Werbelink). Das ist eine Uhr, bei der man auf einen Blick sieht, wie viel Zeit noch übrig ist. Den Time Timer es in „richtig“, als Desktop-App oder als mobile App.

Ablauf der Aufgaben mit der Pomodoro-Technik

Für Kasimir teile ich die Arbeit nicht in 25-minütige Abschnitte ein, sondern stelle den Timer auf 15 Minuten. Das ist ungefähr die Dauer, die für ihn überschaubar ist. Weniger würde zu viel Unruhe produzieren, und mehr würde ihn entmutigen. Welche Zeit für euer Kind passt, müsst ihr selber herausfinden (wir mussten auch ein bisschen herumprobieren).

Der erste „Pomodoro“ dient bei uns immer zur Arbeitsvorbereitung: Kasimir muss im Aufgabenbüchlein nachlesen, was er zu tun hat, entscheiden, womit er anfängt und sein Material parat machen. Also das Schulheft, das Schulbuch, das Aufgabenblatt, ein Bleistift, Gummi, Spitzer, Lineal,… was er halt für die Aufgaben an diesem Tag braucht.

Danach noch mal eine kurze Pause und dann geht es richtig los. 15 Minuten rechnen, dann 5 Minuten Pause usw. Wenn er mit seinen Rechnungen schneller als in 15 Minuten fertig ist, machen wir nicht gleich weiter, sondern er darf als Belohnung Pause machen, bis der Timer läutet. Danach Pause, danach Französisch, usw.

Ich sorge dafür, dass immer genug Luft zwischen den „Pomodori“ ist, auch wenn die Gesamtzeit für die Hausaufgaben dadurch länger wird. Dafür haben wir kein Geheul, ich muss nicht brüllen, damit er bei der Sache bleibt.

Meine Schlussfolgerung zur Pomodoro-Methode

Kasimir ist nicht der Typ, der sich einfach an die Hausaufgaben klemmt und sie erledigt. Es ist jedes Mal ein Kraftakt für ihn, sich dazu zu überwinden und dann den Kopf zusammenzukratzen, um sich auf die Mathe zu konzentrieren, wenn der Kopf doch schon lange auf dem Fussballplatz ist.

Mit der Pomodoro-Methode kann ich ihn besser motivieren. Er findet Zeitmessung sowieso schon spannend und möchte immer und überall, dass ich seine Zeit stoppe. Dann ist das Leben wie ein Computerspiel, er kann kann gegen sich selbst antreten und seinen Rekord schlagen. Sogar die Zeit, die er zum Einschlafen benötigt, muss ich manchmal stoppen.

Mit der Pomodoro-Methode fällt es ihm viel leichter, bei der Sache zu bleiben. Ich glaube, das liegt daran, dass die 15 Minuten für ihn überschaubar sind. Er sieht auf dem Time Timer den Anfang und das Ende und ist sich bewusst, dass danach fertig ist und etwas anderes kommt. „Bis die Aufgaben fertig sind“, muss für ihn etwa dasselbe sein wie „für immer und ewig“.

Die Idee, die Uhr zu schlagen und als Belohnung länger Pause machen zu dürfen, ist eine RIESIGE Motivation für ihn. Wie manche seiner Nintendo Spiele: 5 Runden unter 2 Minuten. Hier eher so: 5 Multiplikationen unter 15 Minuten. Und ich sorge mit dem Einteilen der Aufgaben natürlich dafür, dass er den Timer schlagen kann! Das ist wichtig, um ihn motiviert und bei der Stange zu halten, sonst gibt er innerlich zu schnell auf und wartet dann nur, dass die Zeit endlich abgelaufen ist.

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Habt ihr Lust, die Pomodoro-Technik auf einmal auszuprobieren und hier in den Kommentaren von euren Erfahrungen zu berichten?

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Wer ist Annegret Weibel?
Ich wohne im Kanton Bern. Mein Sohn Kasimir (10) hat einige Herausforderungen bei seinen Exekutivfunktionen, kann keine Sekunde stillsitzen und handelt meistens schneller, als er denken kann. Unser Familienleben kann deshalb an manchen Tagen ganz schön turbulent werden. Ich möchte hier mit euch teilen, was wir alles machen, um möglichst gelassen durch den Alltag zu kommen.

 

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