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Gepostet by on Okt 29, 2018 in Lernen, Neu | Keine Kommentare

Bewegung in der Schule und Anregung für die Hausaufgaben zuhause

Bewegung in der Schule und Anregung für die Hausaufgaben zuhause

Kennt ihr das? Kinder, die mit dem Stuhl wippen und gigampfen, auf dem Stuhl Hin- und Herrutschen oder sich auf dem Stuhl nach hinten überdehnen?! Alles Zeichen dafür, dass ein Kind nicht mehr ruhig sitzen kann und eigentlich ein ganz anderes Bedürfnis hätte: Sich zu bewegen.

Unerfüllter Bewegungsdrang

Kinder wachsen heute mit viel weniger Bewegung auf, als dies vor ein paar Jahren noch der Fall war. Eigenaktivitäten gehen zu Gunsten von passivem Konsum stark zurück. Dabei wären die Bedürfnisse ganz anders. Eine Forsa-Umfrage hat ergeben, dass nach der Erfahrung der Eltern drei Viertel aller Kinder lieber draussen toben würden als drinnen vor dem Computer zu sitzen.

Alle Kinder haben Bewegung nötig, aber hyperaktive Kinder ganz besonders. Krankheiten, die bei Kindern und Jugendlichen mit Bewegungsmangel gesehen werden, sind (Quelle: Bewegte Schule, bewegtes Lernen, Band 3 – Werbelink):

  • Haltungsschwächen
  • Haltungsschäden
  • Diabetes Typ II
  • Arteriosklerose
  • Depression
  • Suizidgefährdung
  • Verhaltensstörungen

Bewegung hat also auf alle Kinder einen direkten, enorm positiven Einfluss auf die Gesundheit.

Doch was bedeutet das nun für die Schule?

Bewegung lässt sich ganz organisch in die Schule einbauen. Dabei ist nicht nur gemeint, dass man nach 15 Minuten Arbeit eine Bewegungspause macht. Nein, der Unterricht ist so aufgebaut, dass Bewegung „natürlich“ geschehen kann oder aber, dass Lerninhalt mit Bewegung dargestellt wird.

Das Konzept der bewegten Schule ist im besten Fall gar Schulentwicklungsprojekt und geht über die Klassen hinaus.

1. Sportunterricht
Täglich eine Stunde Sport

2. Bewegter Unterricht
In allen Fächern (siehe unten)

3. Bewegte Schule
Mit Pausenspielen und einem attraktiv zu Bewegung führendem Pausenplatz
Mit Zusatzsportangeboten und Sportförderangeboten
Mit sportlichen Landschulverlegungen (Velo-, Ski-, Wanderwochen)
Mit Arbeitseinsätzen

4. Bewegte Freizeit
Freie Sport- und Spielangebote (offene Turnhalle, Spielekisten)
Mit Einbezug von Vereinen
Mit viel Schulsportangeboten

Was ist „bewegter Unterricht“?

Im besten Fall arbeitet eine ganze Schule am Thema Bewegung. Wenn dies nicht der Fall ist, kann jede Lehrperson auch im Kleinen Bewegung im Unterricht einbauen. Der bewegte Unterricht besteht aus vier bis sechs Säulen:

Bewegungen bedingen

Den Unterricht so strukturieren, dass viel Bewegung initiiert wird. Dabei kann Bewegung in der Unterrichtsorganisation sinnvoll sein: Arbeitsblätter selber holen, statt sie auszuteilen, Gruppenbildung mit Kindern, die möglichst weit weg sitzen,…

Bewegte SchülerInnenbeiträge fordern

Möglichst ritualisierte Beiträge der SchülerInnen fordern, z.B. Antwort im Stehen, Referate von Gruppe zu Gruppe,…

LehrerInnentätigkeiten an SchülerInnen übertragen

Medienbedienung, Materialausgabe, Ergebnisse an der Wandtafel sichern, Fenster, Türen, Vorhänge, öffen und schliessen. Diese Tätigkeiten eignen sich besonders zum Übertragen an Kinder mit hohem Bewegungsdrang. Die Kinder können sich auf diese Weise nützlich machen und gleichzeitig bewegen – eine Win-Win-Situation!

Bewegungen zulassen

Die SchülerInnen dürfen jederzeit zur Toilette, zum Papierkorb, zum Lavabo gehen. Wenn es ganz unruhige Kinder im Klassenzimmer hat, könnte man mit diesen gar abmachen, dass wenn sie Bewegung und vielleicht auch Ruhe brauchen, sie eine Runde ums Schulhaus drehen dürfen.

Mit Bewegung verbundene Methoden und Sozialformen anwenden

Lernen an Stationen, Wanderlernen, Spiele mit Bewegung, Texte in Bewegung lernen, Bewegungslieder, -Verse, -Gedichte, Rhythmen, Bewegungsrituale z.B. zur Begrüssung, Verabschiedung.

Verschiedene Sitz- und Arbeitshaltungen zulassen, bedingen, fordern

Aktiv-dynamisches Sitzen, Sitzkeil. Stehpult, ergonomische Möbel, Stehen, Liegen, Gehen, Lehrerposition im Raum ändern.

Auswirkungen des Lernens in Bewegung auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler

Mit diesen kleinen Anpassungen wird der Unterricht bewegter. Der Unterricht wird zwar unruhiger, aber, und dazu gibt es Untersuchungen, die Leistungen steigen. In meiner Abschlussarbeit in einem Nachdiplomstudium konnte ich nachweisen, dass die Leistung aller SchülerInnen um einen oder um einen halben Notenwert steigt, wenn das Konzept des bewegten Unterrichts angewendet wird.

Belege findet man in der Hirnforschung. So sagt der Sportmediziner Wildor Hollmann, dass Sport und Bewegung als wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung von Intelligenz und absterbenden Nervenzellen angesehen werden können.

Lernen in Bewegung und im Handeln sind also Grundbedürfnisse des Kindes. So gesehen sind Kinder mit Bewegungsdrang, wenn diesem nachgegeben wird, im Vorteil. Also Kinder mit AD H! S oder hyperkinetischem Syndrom zum Beispiel!

By the way: Alle diese Ideen lassen sich zu Hause in der Hausaufgabensituation auch umsetzen. Nur Mut!

Wie baust du Bewegung zuhause beim Hausaufgabenmachen mit deinem Kind ein? Ich freue mich, wenn ich in den Kommentarspalten viele Anregungen lesen darf.

Bewegte Grüsse

Eure Sarah Fuchs

Sarah Fuchs ist Mutter von zwei Mädchen (11 und 14 Jahre alt). Das ältere hat ein diagnostiziertes ADHS, respektive eine Mischform mit ADS. Zudem arbeitet Sarah seit knapp 25 Jahren als Reallehrerin. Sie hat sich also sowohl privat als auch beruflich mit vielen Entwicklungsstörungen auseinander gesetzt, insbesondere mit ADHS/ADS. Ansonsten ist Sarah sowohl als Mutter als auch als Reallehrerin bedürfnis- und lösungsorientiert unterwegs.
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